Wirt zu St. Peter
Anerkennungen zum Kärntner Landesbaupreis 2026Architektur: Architekturbüro - Arch. DI. Reinhard Suntinger
Bauherr: Wirt zu St. Peter Projektentwicklungs OG
Jurybegründung
Dieses Projekt stellt einen bemerkenswerten Beitrag zur nachhaltigen Ortskernentwicklung dar und überzeugt durch den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz ebenso wie durch die architektonische Qualität der ergänzenden Neubauten. Mit großer Sorgfalt wurde ein identitätsstiftendes Ensemble aus traditionsreichem Gasthof und historischem Wirtschaftsgebäude revitalisiert und durch neue Nutzungen langfristig gesichert. In enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt gelang es, die charakteristischen Qualitäten der bestehenden Gebäude zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäße räumliche sowie funktionale Anforderungen zu integrieren.
Die Umnutzung der ehemaligen Wirtschaftsscheune zu einem vielseitig nutzbaren Veranstaltungsraum schafft einen neuen kulturellen und sozialen Mittelpunkt für die Gemeinde. Die Bespielbarkeit auf mehreren Ebenen ermöglicht unterschiedliche Veranstaltungsformate und stärkt die öffentliche Nutzung des Ensembles. Auch die Reaktivierung der historischen Gasträume als Dorfcafé knüpft an die ursprüngliche Funktion des Hauses als Ort der Begegnung an und trägt wesentlich zur Wiederbelebung des Ortszentrums bei.
Besonders hervorzuheben ist die programmatische Vielfalt des Projekts. Durch die Kombination von Gastronomie, Kultur- und Veranstaltungsräumen sowie unterschiedlichen Wohnformen entsteht ein lebendiger Nutzungsmix mit hoher sozialer und funktionaler Qualität. Die adaptierten Kleinwohnungen im Bestand sowie die neu geschaffenen Wohnungen im Dachgeschoß bieten zeitgemäßen Wohnraum innerhalb der historischen Struktur. Ergänzt wird das Ensemble durch einen modernen Wohnbau aus Holz, der zusätzlichen leistbaren Wohnraum schafft und damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums leistet. Der Neubau überzeugt architektonisch durch eine klare und eigenständige Formensprache.
Anstatt historische Formen zu imitieren, entwickelt dieser eine zeitgenössische architektonische Haltung, die den Bestand respektiert und gleichzeitig selbstbewusst einen neuen Baustein im Ensemble formuliert. Die präzise Setzung, die Maßstäblichkeit sowie die Materialität des Gebäudes schaffen einen ausgewogenen Dialog zwischen Alt und Neu. Die Verwendung regionaler Materialien und die Vorfertigung der Bauteile in der Nachbargemeinde unterstreichen den Anspruch an regionale Wertschöpfung, Ressourcenschonung und nachhaltiges Bauen. Auch die räumliche Organisation des Gesamtprojekts überzeugt durch ihre soziale Qualität. Gemeinschaftlich nutzbare Bereiche wie der großzügige Gemeinschaftsraum, die Dachterrasse sowie die barrierefrei gestalteten Erschließungs- und Begegnungszonen fördern Austausch und Nachbarschaft und stärken das gemeinschaftliche Leben innerhalb des Ensembles. Der freistehende Erschließungskern mit Lift und Stiegenhaus verbindet die unterschiedlichen Gebäudeteile funktional wie räumlich zu einer zusammenhängenden Einheit.