Umbau des Stifts Viktring – Schule mit Bibliothek und ergänzenden Nutzungen - Kärntens beste Bauten

Umbau des Stifts Viktring – Schule mit Bibliothek und ergänzenden Nutzungen

„BESTÄNDIGE ARCHITEKTUR- UND BAUQUALITÄT“ SONDERPREIS DES FACHBEIRATES FÜR BAUKULTUR 2026

Architektur: Gernot Kulterer
Bauherr: BIG – Bundesimmobilengesellschaft m.b.H.


© Veratschnig
© Gerhard Maurer
© Gerhard Maurer
© Gerhard Maurer
© Gerhard Maurer
© Gerhard Maurer
© Gerhard Maurer
© Gerhard Maurer
© Bundesgebäudeverwaltung

Jurybegründung

Seit 2022 wird der Kärntner Landesbaupreis um eine Kategorie erweitert, die jene Bauwerke oder städtebaulich relevanten Projekte auszeichnet, die sich über viele Jahre bewährt haben. Der Sonderpreis soll sowohl auf die Vorbildwirkung solcher Bauten hinweisen als auch Persönlichkeiten würdigen, die sich um vorausschauende Konzepte und qualitätsvolle Bauweisen verdient gemacht haben. Durch eine solche Auszeichnung soll der langfristige Erhalt dieser Bauwerke (ggf. als Denkmale) gesichert werden. Der Sonderpreis 2022 ging an das Haus Kurrent in Baldramsdorf von Friedrich Kurrent. 2024 wurde der Preis an Gerburg Leberl und Eberhard Kraigher für die Gestaltung der FußgängerInnenzone und die Öffnung der Innenhöfe in Klagenfurt verliehen. 2026 wird vorgeschlagen, den Sonderpreis an Gernot Kulterer für die vorbildlichen Revitalisierungsmaßnahmen zwischen 1989 und 1999 im Stift Viktring zu vergeben.

Heute ist der Umgang mit alter, wertvoller Bausubstanz bereits eine in vielen Fällen geübte Praxis. Die für künftige Nutzungen notwendigen Ergänzungen ohne Störung von räumlichen und gestalterischen Qualitäten in den Bestand einzufügen, gehört zu den wichtigsten und nachhaltigsten Aufgaben von PlanerInnen und BauherrInnen. Im konkret vorgeschlagenen Fall des Stiftes Viktring soll auch die erste Renovierungsphase für das im Jahre 1975 neu gegründete Musikgymnasium durch Architekt Karl Müller nicht unerwähnt bleiben. Doch gilt die Empfehlung des diesjährigen Sonderpreises der zweiten Bauphase, für die Architekt Gernot Kulterer mit großer Feinfühligkeit ein Gesamtkonzept entwickelte und mit außerordentlicher Qualität gemeinsam mit FachplanerInnen umsetzte.

Was vor mehr als 30 Jahren in Viktring entstanden ist, dient bis heute als Exempel der Revitalisierung eines historischen Gebäudes mit öffentlicher Nutzung. Im speziellen ist hierbei die bereits 1992 fertiggestellte Lösung für das neue Informations- und Medienzentrum mit seinem Bibliotheksturm hervorheben. Die dort vertikal eingefügte, fein proportionierte, rote Stahlkonstruktion mit ihren mit massivem Holz belegten Treppenläufen und Erschließungsstegen tritt in einen spannenden Dialog mit der roh belassenen Raumstruktur. Ähnlich verhält es sich bei dem 1998 finalisierten Umbau des Pferdestalles und Dreschbodens, der großartige Räume für die Werkerziehung schafft: wiederum konstruktiv mit Stahlrahmen ausgeführt, lenken diese den (Durch-)Blick durch Glasdecken und -wände bis zum historischen Gebälk, sodass letztlich der Raum in seiner Gesamtheit wahrgenommen wird.

Es sind diese gestalterischen „Operationen“ wie etwa die Kontrastierung des historischen Bestandes durch neu eingefügte Materialien bei zugleich einfach ablesbarer Konstruktion, welche eine bis heute unverändert wirksame Raumatmosphäre zwischen Alt und Neu ausmachen. Dass es sich um eine Ausbildungsstätte handelt, in der jungen Menschen en passant Raumerlebnisse und Architekturqualitäten vermittelt werden, ist neben den genannten Gründen ein zusätzlicher Benefit, weshalb der Fachbeirat für Baukultur sich für diese Vergabe des Sonderpreises im Jahr 2026 entschieden hat.

Projekt teilen