Bildungscampus am Stadtpark – Volksschule 1/ Kindergarten und -tagesstätte
Ausgezeichnet mit dem Kärntner Landesbaupreis 2026Architektur: balloon architekten ZT-OG
Bauherr: Stadt Villach
Jurybegründung
Das Projekt ist weit mehr als die Renovierung eines historischen Schulgebäudes. Es ist mehr als eine der in vielen anderen Fällen vorgenommenen Funktionssanierungen. Es ist ein Lehrstück dafür, wie die Gesellschaft ihre Werte, ihre Tradition, ihre Erwartung an die Zukunft und die daraus entstehende Lebensfreude weiterzugeben vermag.
Die Richard-Wagner-Schule, ein Gründerzeitbau aus 1911, hat schon die unterschiedlichsten Schultypen beherbergt, zuletzt eine Abteilung der HTL Villach. Jetzt, nach dem Umbau, zeigt sie sich als zeitgemäßer Bildungscampus samt Volksschule und Kindergarten. In einem Hause sind so alle Stufen der Bildung vereint, und für alle öffnet es sich gro.zügig zu einer vorgelagerten Gartenfläche. Ein Areal, das zuvor als Parkplatz genutzt wurde. Über die schulische Funktion als „Pausenhof“ hinaus wirkt dieser Freiraum bis in den öffentlichen Raum der Stadt und gibt der Schule einen freundlichen und einladenden Auftritt.
Es ist die räumliche Vielfalt in den unterschiedlichsten Maßstäben, die sich in einer groß gedachten Struktur wiederfindet und Ordnung nicht als Schranke, sondern als Wegweisung andeutet. Im Konkreten wurden aus allen Verbindungswegen und Erschließungen Räume und Orte mit hoher Aufenthaltsqualität – Cluster, Leseorte, Nischen für und mit Ausblicken, Einblicken, Rückzügen und Beziehungen. Die über alle Ebenen wahrnehmbare Dreidimensionalität fügt den Schulbau zu einer ganzheitlichen Erlebniswelt, die niemals aufdringlich, doktrinär, oder bestimmend, sondern anregend und feinfühlig in Material-, Farb- und Formensprache dem Lernen und der pädagogischen Arbeit einen Ort bestmöglicher individueller und gesellschaftlicher Identifikation und Entfaltung bietet.
Topografisch entscheidend war die Transformation der ehemaligen Parkplatzfläche zu einem breit angelegten Vorfeld und die Öffnung des Untergeschosses (verbunden mit einer Niveauabsenkung) zu dem dort angelegten Garten, nicht zuletzt die Einbeziehung und Öffnung des Turnsaaltraktes in das Gesamtensemble. All dies erfolgte in einer Bausubstanz, die strengen Schutzbestimmungen der Denkmalpflege unterliegt. Jedoch einer Denkmalpflege, die sich als Ansporn zur Weiterentwicklung der grundlegenden pädagogischen und baukünstlerischen Idee versteht. Somit gelang neben dem Ausschöpfen des räumlichen Potentials auch eine Vielzahl feinsinniger Adaptierungen von Baudetails.
Die Restaurierung mit subtiler Farb- und Materialabstimmung, die Integration der Kunst, die Anpassung der technischen erforderlichen Details wie Geländer oder Absturzsicherungen ist mit Präzision und kreativem Erfindergeist erfolgt. Der Beitrag der denkmalpflegerischen Begleitung hat dies erst möglich gemacht, ebenso die Expertise der Tragwerksplanung in der Adaptierung wie auch der bauphysikalischen Ertüchtigung hinsichtlich der Dämmung der dafür geeigneten Komponenten.
Im gelungenen Resultat zeigt sich einmal mehr die hohe Qualität der soliden Bausubstanz im Bestand, wie diese weiterverwendet und weiterentwickelt werden kann. So beginnt das Lernen schon beim Betreten der Schule, um danach – zurück in der Stadt – Vieles zu erkennen, was zuvor der Aufmerksamkeit entgangen ist.